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Chronik Turnverein 1848 Edenkoben  e.V.

Gründung bis Ende 19. Jahrhundert

1848 Das erste Zeugnis von der Existenz unseres Turnvereins gibt uns ein Schreiben vom 25. Juli an das Bürgermeisteramt der Stadt. Man bat darin um die Überlassung eines Turnplatzes vor der Lateinschule (heute: Museum). Am 2. November schritten dann 13 junge Männer zur Wahl eines ersten, dreiköpfigen Turnrates: Adolph Bloch (Turnwart), Adolf Langenbeck (Rechner), Otto Resplantin (Schriftführer). Kurz nach diesem Gründungstag, am 13. November, traf man sich im Schenkzimmer des Bierkellers von Louis Mayer (heute: Tivoli) erstmals zum Turnen.

1849 Am 19. April vergrößerte man den Turnrat auf fünf Personen. Die derzeit 34 Mitglieder zahlten einen Monatsbeitrag von 9 Kreuzern, die Eintrittsgebühr betrug 18 Kreuzer. Mussten ordentliche Mitglieder zwar wenigstens 18, außerordentliche 16 Jahre alt sein, hatte man dennoch schnell 85 Mitglieder (15 aus Maikammer). War aber inzwischen der Turnplatz ebenfalls beim Bierkeller eingerichtet gewesen, musste man deshalb jetzt auf die Wiese des Dr. Keller (Post/Volksbank) ziehen. Als Folge der Revolution wurde der TVE aufgelöst. Adolph Bloch musste in die Schweiz fliehen. Es kam zum Einmarsch der Preußen in Edenkoben, die ihre Geschütze auf dem Turnplatz aufstellten und die noch nicht bezahlten Turngeräte zerstörten.

1850 Am 26. Februar verbot ein Gesetz zunächst militärische Übungen mit Waffen, am 18. Juli schließlich folgte dann das Verbot aller Turnvereine durch Regierungserlass.

1859 Es gab eine allgemeine Amnestie, der TVE lebte wieder auf und ein Jahr später

1860 kam es zur offiziellen Neugründung, aus deren Anlass "Frauen und Jungfrauen" dem Verein eine neue Fahne stifteten.

1861 Mit einem Schreiben des "Landkommissariats" Landau vom 25. Juni an den Vorstand des Vereins, in dem ihm seine Statuten bestätigt wurden, ist eine frühere Neuexistenz - bis vor kurzem war 1862 angenommen worden - eindeutig bestätigt. Nach der Gründung des Pfälzer Turnerbundes am 21. April trat der TVE selbst auch bald landesweit in Erscheinung, als er nämlich am 30. Juni diesem beitrat.

1862 Im Jahr darauf nahm Ferdinand Wilhelmi (Neustadt), ein Turnlehrer des PTB, die Fahnenweihe vor. Vom 14. Oktober existiert ein Bittschreiben um Holz für Turngeräte an das Bürgermeisteramt. Zu dieser Zeit turnte man in der Bierbrauerei Klein (heute: Radio-Beyer) und in deren Garten. War man vorher noch eifrig am Turnen, schlief jetzt der Turnbetrieb ein - fast wieder das Ende des TVE.

1870 Am 23. Februar wurde wieder ein neuer Vorstand gewählt, der jetzt aber den Turnzwang für aktive Mitglieder einführte. 40 Mitglieder waren es damals insgesamt. Anlässlich des tags zuvor ausgebrochenen deutsch - französischen Krieges erstellte man am 20. Juli ein Turner-Sanitätskorps.

1872 War jetzt die Mitgliederzahl auf 19 gesunken, beteiligte man sich doch am "Hambacher Fest“, zu dem gar mit "fliegenden Fahnen nach Neustadt marschiert" wurde. Im Juni wurde dann eine Turnordnung eingeführt, die Kleidung, Verhalten und sportliche Betätigung (durch "Übungsgesetze") regelte. Gleich nach seiner Versetzung an die hiesige Lateinschule am 12. November trat Studienlehrer Schmitt dem Verein bei und wurde bald Vorturner der 1. Riege.

1873 Im Januar schaffte man eine Turnzeitung an, reduzierte mangels Mitglieder notgedrungen das Eintrittsgeld auf ½ Gulden. Im Mai nun führte Schmitt das "Zöglingsturnen" ein, was sich bald sehr positiv auf die Mitgliederzahl auswirkte. Bei der Einweihung des Schützen-Hauses am "Landauer Weg" war am 31. August der TVE ebenso präsent wie danach bei der Fahnenweihe des Männergesangvereins. Am 12. Oktober gab es das erste Preisturnen der Zöglinge, im gleichen Monat erhielt Bierbrauer Klein als Dank für die jahrelange, kostenlose Überlassung der Bierhalle als Turnstätte "eine silberne Dose verehrt".

1874 Zum ersten Mal kam der Verein auf 100 Mitglieder; Anlass genug zur Einstellung eines Vereinsdieners im Juli, der anstelle der bisher ehrenamtlich tätigen Mitglieder jetzt die Vereinsbeiträge kassieren sollte. Im September schließlich richtete man das erste Schau- und Preisturnen aus.

1875 Den ersten eigenen Sommerturnplatz ( Weinstr. 46/48) konnte der TVE damals nur teilweise durch Spenden seiner Mitglieder und aus der Bevölkerung finanzieren, für die restlichen Schulden mussten noch vier Personen aus dem Turnrat haften. Im November traten zwölf Turner der Sanitätsabteilung bei.

1876 Die Turnplatzweihe konnte im nächsten September erfolgen, woran neun auswärtige Vereine teilnahmen.

1878 Erst die Generalversammlung am 11. Dezember beschließt eine Satzung gemäß "Vereinsgesetze" und gibt sie mit einer Mitgliederliste (63) ans Bezirksgericht Landau.

1879 Dieses genehmigt per 23. Juni die Statuten, der TVE gilt jetzt als "Anerkannter Verein" wird damit als solcher endlich selbst geschäftsfähig (s. 1875).

1880 lässt sich erstmals eine Teilnahme des TVE an einem Deutschen Turnfest (beim fünften vom 24. bis 28. Juli in Frankfurt) durch eine Notiz in der Edenkobener "Gegenwart" nachweisen. In diesem Jahr reagiert der PTB auf TVE - Initiativen: es gibt nun einen " Bundesturnrat" anstelle der wechselnden Leitung der durch die Vorstände bisheriger "Vorortsvereine" und es erfolgt der Anschluss der Pfalz an den "Oberrheinischen Turnkreis" mit Baden und Elsass - Lothringen.

1881 Ein TVE - Mitglied war als Vertreter des Oberrheinischen Kreisturntages beim Deutschen Turntag in Eisenach.

1882 Einen Pfingstmontag - Ausflug zum Hüttenbrunnen " mit Damen" annoncierte am 22. Mai der Verein in der Presse, wobei es mit Musik durch den Wald gehen sollte.

1883 Im Umzug anlässlich des Bundesschützenfestes am 8. Juli in Edenkoben marschierte der TVE ebenfalls mit.

1887 Gründungsmitglied Lichti zu verdanken ist die Veröffentlichung des "Protokollbuches des alten Vereins" mit Daten und Namen ab 1848, das er noch besaß und dem Verein zum (auf die Neugründung 1860/62 bezogen) 25jährigen Stiftungsfest vom 9. bis 11. Juli schenkte. Für 500 Mark erhielt der Verein dazu wieder eine neue Fahne von Frauen gestiftet, deren Weihrede von Dr. Schmitt (inzwischen ehemaliger Vorsitzender) den Tenor hatte: "Turner sind Krieger"! Noch im gleichen Jahr übernimmt der Verein die Patenschaft für den neu gegründeten TV Rhodt.

1888 "Alle 18- bis 20jährigen Männer turnen", verkündete man stolz - dies allerdings mehr als Vorbereitung auf den Militärdienst, der damals sehr angesehen war! 

1893 Der Turnplatz (Weinstr. 46/48) wird verkauft, dafür ein dreimal größerer angeschafft (ehemalige "Werkstatt Vulpes" ,Ecke Post-/Radeburgerstr.).

1894 Bei "Ovationen" auf der Ludwigshöhe zu Ehren des Prinzregenten Luitpold von Bayern wurde die Fahnenspitze beschädigt. Immerhin revanchierte er sich wohl, wenn auch ungewollt, dadurch, dass er später anlässlich einer Pfingst-Turnfahrt auf den Werderberg dem Turn-Hallenbaufonds des TVE eine Spende von 60 Mark zukommen ließ. Am 12. August beteiligte sich der Turnverein noch am Gau-Turnfest in Mußbach, bevor zwei Wochen später die Einweihung des neuen Turnplatzes unter Mitwirkung der Musikkapelle des 18. Infanterie -Regimentes stattfand. Die feierliche Rede hielt erneut Dr. Schmitt, wenn auch wie gehabt.

1898 Noch feierlicher ging es dann beim 50jährigen Stiftungsfest am 28. August zu, als beim Umzug mit "weiß gekleideten Ehrendamen" durch Edenkoben auch "die alte Fahne" wieder dabei war. Seiner großen Verdienste wegen wurde auch das Gründungsmitglied Michael Lichti besonders geehrt.

1899 Erstmals ging man das Risiko des Baus einer eigenen Turnhalle ein, wobei aber die Kosten gleich um 1/3 höher kamen als erwartet. Die Volksbank stellte jedoch das fehlende Geld gegen "solidarische Sicherheit" des Turnrats bereit. Am 3. September stellte der TVE bei der Einweihung des Sieges- und Friedensdenkmals am Werderberg (ehem. Kiefernberg) auf Drängen des Bezirksamtes Landau seine Turner zum Sanitätsdienst ab, da der Militärverein selbst dazu nicht in der Lage gewesen ist.